Für viele beruflich engagierte Mütter ist das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern ein emotionaler Dauerbegleiter: Darf ich überhaupt so viel Energie in mein Business stecken? Werde ich meinen Kindern gerecht? Hier erfährst Du welche Botschaft wirklich hinter diesem Gefühl verborgen liegt und wie Du Dich davon befreist.

 „Das schlechte Gewissen stellt sich bei mir dann ein, wenn ich GEGEN mein Wissen handle.“

Neulich habe ich mit meiner Tochter Barbie gespielt.

Das ist für eine Waldorf-Mama wie mich natürlich nicht das Gelbe vom Ei, aber warum ausgerechnet Barbie unsere neue Mitbewohnerin ist, erzähle ich Dir ein anderes Mal…

Wir saßen vor Magas Puppenhaus, umringt von Barbie-Schuhen, Kleidern und sonstigen Glitzer-Accessoires, als mich ein Dialog zwischen Barbie-Mama und Barbie-Tochter plötzlich hellhörig werden ließ.

„Ach, Mama“, meinte Maga als Barbie-Tochter zu ihrer Barbie-Mutter: „Wenn Du nur nicht so eine Expertin wärst, dann würde ich auch viel lieber sein.“

Ich musste schlucken. Was hatte meine Tochter da gesagt? Für mich hörte sich das so an wie: „Ach, Mama, warum ist Dein eigenes Business so wichtig für Dich? Mir würde es besser gefallen, wenn Du keines hättest.“

Ohje. In meinem Kopf ging es hin und her: Bin ich zu wenig für meine Tochter da? Wir sind doch meistens ab 14 Uhr zusammen! Ist das zu spät? Sollte ich sie früher abholen? Auf einmal fühlte ich mich gar nicht mehr gut.

Kurz vorher hatte ich „zufällig“ schon überlegt, was ich zu diesem Zustand schreiben könnte, weil ich von vielen Müttern das Feedback bekomme: „Ich würde gerne was zum Thema schlechtes Gewissen lesen.“ Dass ich selbst eine Schlechte-Gewissen–Kandidatin bin hatte ich mir bis dato aber noch gar nicht richtig eingestanden…

Also habe ich die ganze Situation als Anlass genommen, mir gründlich Gedanken darüber zu machen, wann und warum Mütter ein schlechtes Gewissen haben, wo wir uns unnötig stressen und wo wir aufgefordert sind, etwas zu verändern.

Dabei bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es mindestens zwei verschiedene Formen des schlechten Gewissens. Wie wir am besten damit umgehen hängt von der jeweiligen Art ab.

 

Nr. 1: Das fremdbestimmte schlechte Gewissen

Diese Form ist eine Kombination aus gesellschaftlichen Ansprüchen und kindlichen Prägungen, die sich als „innere Stimme“ tarnt, im Grunde aber nichts mit uns und unseren echten Idealen zu tun hat.

Kürzlich habe ich eine Klientin ermutigt ihre blockierenden Glaubenssätze auszusprechen. Sie ließ sich voll auf die Herausforderung ein und am Schluss hatten wir eine beachtliche Anzahl an inneren Störenfrieden entlarvt. Einer davon lautete:

„Sei doch einfach nur Hausfrau und Mutter!“

In diesen wenigen Worten liegen letztendlich Generationen von Frauen, denen es nicht erlaubt war, ihre Talente jenseits des häuslichen Bereichs zur Geltung zu bringen. Teilweise sogar unter Androhung gesellschaftlicher Ächtung und physischem Tod.

Die Erfahrungen unserer Ahninnen leben in unseren Genen fort. Deswegen sind wir auf dem Weg in die emotionale Unabhängigkeit dazu aufgefordert, immer wieder zu überprüfen, woher ungute Gefühle wirklich kommen.

Bei meiner Klienten lag es klar auf der Hand. Sie liebt ihre Kinder über alles und versorgt sie bestens. Trotzdem ist es ihr ein Herzensanliegen ihr eigenes Business aufzubauen.

Das schlechte Gewissen gehört nicht zu ihr.

 

MAMA Revolution Impuls

Denke an die Situation, die Dir ein schlechtes Gewissen verleiht und beantworte mit geschlossenen Augen folgende Frage.

Wenn mein schlechtes Gewissen ein Mensch wäre, wen hätte ich vor Augen?

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Wenn sich jetzt vor Deinem inneren Auge jemand gezeigt hat, der mehr wie Deine Mutter, Oma oder Tante aussieht, dann erhältst Du hiermit die offizielle Erlaubnis, Dein schlechtes Gewissen einfach loszulassen.

 

 

Nr. 2: Das berechtigte schlechte Gewissen

Neben dem schlechten Gewissen, das fremdbestimmt und somit unnötig ist, gibt es eine weitere Form, die echte Ursachen hat. Allerdings liegen diese Ursachen nicht in Deiner Berufstätigkeit, sondern ganz woanders.

Hast Du Dir schon mal überlegt woher der Begriff „Gewissen“ kommt? Meinen Überlegungen nach könnte es auch „Gegen Wissen“ heißen.

Lass mich erklären…

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Tochter. Meistens ist sie ab 14 Uhr und zwei Mal die Woche ab 15.30 Uhr zuhause, hat Freunde zu Besuch, manchmal gehen wir schwimmen und jeden Donnerstag fahre ich mit ihr ins Voltigieren.

Wenn ich nicht achtsam bin, dann schwirrt mir aber während dieser Familienzeit mein Business durch den Kopf. Wie von selbst klappt sich dann mein Laptop auf und ich möchte „nur mal ganz schnell“ noch eine eMail beantworten…

Aus 5 Minuten werden 30, und die Grenzen zwischen Familien- und Businesszeit verschwimmen plötzlich.

Diese Unklarheit ist es, die meine Tochter zu einer Aussage wie dieser veranlasst: „Ach, Mama, wenn Du nur nicht so eine Expertin wärst.“

Wir Mütter wissen, wie viel Aufmerksamkeit unsere Kinder von uns brauchen um glücklich und ausgeglichen zu sein und wir wissen auch, was zu tun ist, um diese Bedürfnisse wundervoll auszufüllen.

Ich weiß zum Beispiel:

  • dass ich garantiert einen freien Kopf für meine Familie habe, wenn ich morgens um 7.30 am Schreibtisch sitze und entspannt alle Aufgaben erledigen kann.
  • dass eine halbe Stunde volle Aufmerksamkeit meiner Tochter meistens genügen, um dann alleine fröhlich weiterzuspielen.
  • dass ich mein Handy am besten erst wieder zum Vorschein hole, wenn ich spüre, dass meine Tochter genährt ist.

Das schlechte Ge-Wissen stellt sich bei mir dann ein, wenn ich GEGEN mein Wissen handle. Wenn ich nicht umsetze, was in meinen Möglichkeiten steht. Und wenn ich über meine Erkenntnisse – und die Vereinbarungen zwischen mir und meiner Familie – hinweg gehe.

Wie ist das bei Dir?

 

MAMA Revolution Impuls

Beantworte folgende Fragen mit dem weisen Teil in Dir, spontan und ungefiltert.

 

Welche 3 Dinge braucht mein Kind von mir, um gut genährt und glücklich zu sein?

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Was sind die Konsequenzen, wenn ich gegen dieses Wissen handle?

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Welche 3 Dinge könnte ich verändern, um mein Wissen verlässlich umzusetzen?

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Ich denke, es gibt noch viele weitere Facetten des schlechten Gewissens von Müttern. Doch diese zwei Punkte können wir definitiv schon mal sacken lassen:

Wenn wir gegen unser Wissen handeln, dann ist das schlechte Gewissen ein Aufruf uns auszudehnen und es besser zu machen.

Wenn es aus der weiblichen Vergangenheit der Unterdrückung stammt, dann dürfen wir es glücklich loslassen.

Und: Falls Du es trotzdem mal nicht schaffst, angesichts von vollgekritzelten Parkettböden in einem sanften Tonfall zu kommunizieren, hab Dich selbst lieb. Wir sind alle im Training 🙂

 

Wann stellt sich bei Dir das schlechte Gewissen ein? Und wie gehst Du damit um? Die anderen Mamas und ich freuen uns von Deinen persönlichen Erfahrungen in den Kommentaren zu hören. Bis gleich!