Interview mit der Mompreneur des Monats August. Tadaaaahhh: Nicole Bailer!

Nicole Bailer ist 30 Jahre jung, hat eine 4-jährige Tochter und betreut seit 10 Jahren ihren Ehemann, der ein chronischer Schmerzpatient ist. Seit Oktober 2012 bietet sie als Personal Coach Entlastung für pflegende Angehörige an und hat so einen Weg gefunden, ihre eigenen Erfahrungen optimal für andere Menschen einzusetzen. Sie ist eine tolle Inspiration für jede Mompreneur!

MAMA Revolution: Wann wurde Dir klar, dass Deine Zielgruppe Angehörige von Schmerzpatienten sind?

Nicole Bailer: Richtig bewusst wurde mir dies bereits während meiner Coaching-Ausbildung vor knapp 3 Jahren. Ich habe mich gefragt, welchen Mehrwert kann ich für meine Klienten schaffen? Welche Bereiche kann ich mit persönlicher Erfahrung abdecken? Da ich selbst die Ehefrau eines Schmerzpatienten bin und über Jahre hinweg mit diesem Thema konfrontiert war,  mit den Sorgen und Problemen, den Ängsten und negativen Gedanken, wollte ich diesen persönlichen Erfahrungsschatz einfach mit anderen teilen, die in ähnlichen Situationen sind.

MAMA Revolution: Welche Schlüsselmomente haben Dich zu der Gründung Deines Business bewegt?

Nicole Bailer: Ich wollte etwas TUN. Ich fand mich einfach zu jung, um nur zuhause zu sitzen, und mich um meinem Mann zu kümmern. In mir drin lag der Wunsch nach Selbständigkeit schon lange, deshalb habe ich auch vor ungefähr 10 Jahren meinen sicheren Beamten-Job gekündigt.

„Ich wollte etwas machen, das mir Freude bereitet und womit ich Menschen unterstützen kann, Geld verdiene und in Reichweite meines Mannes bin.“

 

Ich habe mich dann intensiv mit der Selbständigkeit beschäftigt und zog zuerst eine Ausbildung als Heilpraktikerin in Betracht, was ich dann aber wieder verworfen habe. Letztendlich fiel meine Wahl auf die Ausbildung zum Personal Coach, worüber ich sehr glücklich bin 😉 Meine Mentorin hat mich in der Gründung meines Business stets bestärkt und mich aufgerichtet, wenn ich dachte ich wäre dazu nicht in der Lage.

Nachdem ich die Ausbildung beendet hatte bin ich morgens aufgewacht und war innerlich total aufgeregt vor Freude weil ich dachte: „Wow! Jetzt darfst du loslegen. Jetzt kannst du endlich deinen Traum leben und anderen Menschen eine Wegbegleiterin sein.“ Das hat mich enorm bestärkt und ich bin am selben Tag zum Amt und habe meine Gewerbeanmeldung ausgefüllt.

MAMA Revolution: Was ist Dein „Warum?“

Nicole Bailer: Zum einen der tiefe Wunsch anderen Menschen in derselben oder ähnlichen Situationen eine Hilfe zu sein und zum anderen all meine Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich in den letzten 10 Jahren als Angehörige eines Schmerzpatienten gesammelt habe.

Es geht immer und fast ausschließlich „nur“ um den Patienten, was zum Großteil ja legitim ist, aber die Angehörigen bleiben im Dunkeln und das ist nicht richtig. Für einen Angehörigen ändert sich das Leben auch von heute auf morgen, wenn die Diagnose /der Unfall / der Zustand plötzlich eintritt. Wir müssen uns in dieser neuen Situation auch erst zurecht finden und damit klar kommen.

Das ist meist nur nicht so ohne weiteres möglich, denn auf einmal müssen wir Aufgaben des Partners, der Betroffenen mit übernehmen, sollen stark sein, alles schultern, was kommt und unsere Interessen auf einmal gaaaaaaaanz hinten anstellen. Das machen wir auch alles eine gewisse Zeit lang und dann kommt das große tiefe Loch, in das wir stürzen.

Wir müssen uns dann eingestehen, dass wir überfordert sind (glaub mir das macht keiner gern), dass wir wütend sind, das wir selbst gar kein Leben mehr haben, sondern nur noch funktionieren.

Ich habe über die Jahre von vielen betroffenen Paaren erfahren, für die letztendlich eine Trennung unausweichbar war. Auch ich habe diese Erfahrungen zum Teil machen dürfen: Ich litt auch unter Depressionen und hatte mich für ein paar Monate von meinem Mann getrennt. DAS MUSS ABER NICHT SEIN!!

Das ist mein Warum: Ich möchte den Betroffenen rechtzeitig zur Seite stehen und ihnen sagen: „Okay, es ist schwer, du bist überlastet aber du kannst das ändern!“

 

MAMA Revolution: Wie hast Du Deinen ersten zahlenden Klienten gewonnen?

Nicole Bailer: Den werde ich sicherlich nicht vergessen. Das war schon etwas Besonderes für mich: Es war ein Kunde, der bei mir eine Wellness-Massage gebucht hatte. Ich habe zeitgleich zum Coaching auch eine Ausbildung zur Massagepraktikerin gemacht. Während der Massage fragte er mich, was denn das Wort „Personal Coach“ auf meinem Schild bedeute und ich erzählte ihm davon. Es stellte sich dann heraus, dass er seine Eltern schon seit 3 Jahren zuhause pflegt und Medikamente nimmt, weil er nachts nicht mehr schlafen kann. Ich habe ihm nur eine Frage gestellt: „Was denken Sie, wie lange Sie das noch durchhalten?“ Am Ende der Massage hat er ein Coaching mit mir vereinbart und ich war total happy 😉

MAMA Revolution: Was sind im Moment Deine wichtigsten Marketing Methoden?

Nicole Bailer: Auf jeden Fall mein Blog, auf dem ich jeden Mittwoch einen Artikel veröffentliche und meine Facebook-Seite. Seit einigen Tagen habe ich auch eine eigene Gruppe auf Facebook („Trage nur – was auch wirklich Dein ist“), um Betroffenen Angehörigen einen geschützten Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie sich austauschen können. Auch andere Social Media Kanäle wie Twitter, Xing und google+ werden von mir bedient aber der Fokus liegt auf meinem Blog und Facebook.

Außerdem bin ich in einigen Social Media Gruppen, sei es auf Facebook oder auch in XING sehr aktiv. Mir ist es sehr wichtig nicht nur Werbung für meine Artikel zu posten, sondern eine Vertrauensbasis mit meinen potentiellen Kunden aufzubauen. Dies ist nur möglich, wenn ich in den direkten Dialog gehe. Deshalb habe ich auch den Schritt gewagt, eine eigene Facebook-Gruppe zu gründen.

MAMA Revolution: Wer sind Deine drei größten Vorbilder? An welchen Business Frauen orientierst Du Dich?

Nicole Bailer: Ui…..da muss ich mal eben nachdenken. Also, ich habe niemanden mit dem ich mich identifiziere oder den ich kopieren möchte. Business-Frauen, die ich als richtungsweisend für mich betrachte sind zum Einen auf jeden Fall Karin Wess, finde ihren Work-Flow und ihre Einstellung einfach genial. Außerdem hat sie auch eine kleine Tochter so wie ich und unsere Prioritäten sind recht ähnlich.

Dann möchte ich noch Mara Stix erwähnen. Ich orientiere mich sehr an ihr, weil sie eine sehr liebenswerte Art hat, mich persönlich schon sehr unterstützt hat und ich sie einfach ziemlich gerne habe 😉

Als dritte Business Frau möchte ich noch Kathrin Luthy von Frauenbusiness erwähnen. Kathrin ist wirklich auch eine sehr, sehr nette und vor allen Dingen direkte und ehrliche Frau, die ihren Weg geht und dazu steht. Sie schafft es auf herrliche Art und Weise mich zu inspirieren.

Du hast mich zwar bloß nach 3 Frauen gefragt, ich bin aber so frei und nenne nochmal eine: DICH, liebe Sandra. Du bist auch eine große Unterstützung für mich, vom ersten Tag ab, an dem ich Deine Blogartikel gelesen habe. Ich fühlte mich bei Dir total angekommen und angenommen und Deine Mini-Coachings verschlinge ich immer förmlich. An dieser Stelle möchte ich Dir auch für deine Arbeit ein „DANKE“ aussprechen!!

MAMA Revolution: Du hast eine 4-jährige Tochter und einen pflegebedürftigen Ehemann. Wie organisierst Du Dich, um Zeit für Dein Business zu haben? Wie strukturierst Du Deinen Tag? (Und viiieelen Dank für das schöne Kompliment 🙂 )

Nicole Bailer: Ja also zuerst einmal vorab – bei mir ist kein Tag wie der andere: die grobe Struktur ist zwar immer dieselbe aber da ich nie weiß, wie es meinem Mann heute geht, kann es doch große Schwankungen im Ablauf geben.

Mein Tag startet für gewöhnlich zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr.

„Morgens nehme ich mir Zeit in der Stille nur für mich. Entweder mache ich Yoga, einen kleinen Spaziergang oder setze mich einfach nur hin und meditiere.“

 

Dann mache ich Frühstück und richte meine Tochter für den Kindergarten.

Ehe ich in den Kindergarten gehe, wecke ich meinen Mann, dann hat er Zeit in seinem Tempo aufzustehen und in Ruhe Kaffee zu trinken. Je nachdem wie stark seine Schmerzen sind helfe ich ihm beim anziehen und dann gehe ich mit meiner Kleinen los.

Dann gibt es zwei Varianten: entweder ich setze mich irgendwo in ein Kaffee und schreibe oder ich fahre direkt wieder nach Hause und setze mich ins Büro, weil ich ein Coaching habe. Hin und wieder sind auch Termine beim Arzt notwendig. Diese erledigen wir, wenn möglich, auch in der Kindergartenzeit.

Während ich dann das Mittagessen koche holt mein Mann – auch wieder je nach Schmerzlage – unsere Maus vom Kindergarten ab. Danach steht gemeinsames Essen und Spielzeit auf dem Plan. Für meinen Mann bedeutet diese Zeit meist das Liegen auf der Couch, aber er ist präsent.

Meist verschwinde ich dann in der Mittagszeit nochmal für 1-2 Stunden im Büro und dann gehört die restliche Zeit meiner Familie und dem Haushalt.  Am Abend gönne ich mir dann ebenfalls noch ein wenig Zeit für mich. Diese Zeit nutze ich dann entweder nochmal für einen kurzen Spaziergang oder für ein schönes Bad mit einem inspirierenden Buch.

Ich würde sagen, dass ich eine gute Struktur in meinem / unserem Tagesablauf habe, aber die Schmerzen und sonstigen Belastungen meines Mannes wirken sich eben mal mehr und mal weniger darauf aus. Das ist immer eine große Unbekannte aber mit der Zeit habe ich gelernt damit zu leben, ohne mich daran aufzureiben.

MAMA Revolution: Was sind Deine drei wichtigsten Tipps für Mütter mit eigenem Business?

Nicole Bailer:

  • Seht euer Business nicht als Hobby an, steht voll und ganz dahinter, auch wenn euer Umfeld euch erstmal nicht wirklich ernst nimmt.
  • Lernt euch abzugrenzen und definiert eure Arbeitszeiten ganz klar, denn zuhause seit ihr ja permanent erreich- und verfügbar.
  • Lasst euren Ärger oder eure Enttäuschung nicht an eurer Familie aus. Sie können nichts dafür. Sie würden uns meist gerne helfen, wissen aber nicht wie.

MAMA Revolution: Wo möchtest Du mit Deinem Business in 5 Jahren stehen?

Nicole Bailer: Ich möchte in 5 Jahren eine etablierte Expertin in meinem Bereich sein. Ich möchte durch passive Einnahmequellen (eKurse oder Bücher) meinen Unterhalt sichern und eine große Plattform für alle Betroffenen geschaffen haben. Diese Plattform soll so gestaltet sein, dass meine Anwesenheit irgendwann gar nicht mehr erforderlich sein wird. Die Menschen dort ergänzen sich in liebevoller und wertschätzender Art und Weise und leiten sich gegenseitig bei der Selbsthilfe an.

MAMA Revolution: Das schönste Kunden-Feedback, das Du in letzter Zeit bekommen hast?

Nicole Bailer: „Frau Bailer, ich bin so froh, dass es Sie gibt. Sie können trotz ihrer jungen Jahre schon soviel Empathie leben und Menschen, die wirklich aufgehört haben an sich selbst zu denken wieder ermutigen, sich auf den kommenden Tag zu freuen. “

 MAMA Revolution: Liebe Nicole, ganz herzlichen Dank für Deine Antworten. Du bist eine tolle Frau 🙂

 

Nicole hat es auf beeindruckende Weise geschafft, ihre teilweise sehr schmerzhaften Erfahrungen in ein eigenes Business zu verwandeln, mit dem sie die Welt ein Stückchen besser macht. Was sind Deine wichtigsten Impulse aus diesem Interview? Welche Fragen hast Du an Nicole? Nicole und ich freuen uns sehr über Deinen Beitrag in den Kommentaren.