“Wir Frauen und Mütter schlagen uns beinahe unaufhörlich mit Druck von allen Seiten herum”, sagt Maria Peters. Die Filmproduzentin, Moderatorin und Mutter eines 9-Jährigen ist 2010 fast an den eigenen Anforderungen an ihr Leben zerbrochen. Wie sie es geschafft hat, eine schwere Erschöpfungsdepression und Panikattacken glorreich hinter sich zu lassen, erzählt sie hier im Interview. 

 

MariePetersCover

MAMA Revolution: Liebe Maria, in Deinem Buch “Ich will alles und noch mehr” beschreibst Du, wie Du 2010 in einen Burn-Out geschlittert bist. Was waren die wesentlichen Auslöser Deines Zustandes?

Maria Peters: Ganz kurz muss ich gleich zu Beginn erwähnen, dass es bei mir kein klassisches Burn-Out war, sondern eher eine Erschöpfungsdepression mit Panikattacken.

Burn-Out ist ja beinahe schon ein Modewort unseres Jahrhunderts geworden, aber jeder der stark erschöpft ist, Depressionen oder Panikattacken hat, leidet nicht zwingend an einem Burn-Out.

Bei mir war eher die Sicht auf die Dinge in meinem Leben die Falsche und ich habe immer versucht alles perfekt zu machen. Sowohl als Ehefrau, Mutter, Frau, im Berufsleben, im Haushalt, als Freundin usw. Das ist ganz schön anstrengend 🙂

Also im Nachhinein betrachtet habe ich ja bereits viele Jahre darauf „hin gearbeitet“.

Die vielen Anforderungen an eine Frau und Mutter und auch mein starker Perfektionismus haben ebenfalls das ihre dazu beigetragen.

 

“Ich hatte einfach verlernt auf mich und meinen Körper zu hören und habe mir keine Ruhezeiten gegönnt und mir auch keine Zeit für mich selbst eingeräumt.”

 

MAMA Revolution: Deine Erschöpfungsdepression hat Dich für eine Weile ganz schön außer Gefecht gesetzt. Wie hat sich das angekündigt und geäußert?

Maria Peter: Ich wurde immer schneller gereizt und war schon mit den kleinsten Dingen und Anforderungen an mich überfordert. Ich war zittrig oft auch schwindelig und bekam dann auch starke Ein- und Durchschlafstörungen. Extreme Kopfschmerzen und auch Rückenschmerzen beziehungsweise Verspannungen waren mein täglich Brot.

 

MAMA Revolution: Was ist für Dich eine wesentliche Ursache für den starken Perfektionismus, den Du hattest und den viele andere Frauen auch kennen?

Maria Peters: Der Einfluss der Medien. Man muss ja nur die Hochglanzmagazine aufschlagen und schon fühlt man sich schuldig. Schuldig nicht gleich wieder nach einer Geburt gertenschlank zu sein, gut gelaunt und alles im Griff zu haben.

Man glaubt nicht, wie uns das trotzdem alles unterbewusst manipuliert.

Das wir aber keinen Personaltrainer zu Hause haben, der uns täglich vier Stunden triezt, während die Nanny die Kinder versorgt, die Köchin das Mittagessen zubereitet und die Haushaltsperle durchs Haus fegt, das ist uns oft nicht bewusst.

Nebenbei erwähnt, strebe ich so ein Leben auch nicht an. 🙂

 

“Man muss ja nur die Hochglanzmagazine aufschlagen und schon fühlt man sich schuldig.”

 

MAMA Revolution: Was fehlt Müttern und Frauen Deiner Meinung nach, um leichter mit sich selbst zufrieden zu sein?

Maria Peters: Phhuu, das ist eine schwierige Frage :)!

Ich denke wir sollten uns bewusst machen, was wir bereits alles erreicht und geschafft haben und da meine ich nicht den beruflichen Erfolg, sondern unsere Familie, unsere Ehe und unsere Kinder. Den doofen Perfektionismus sollten wir alle ganz dringend in den Keller sperren, der macht uns nur unglücklich! Es ist ja schön, ein Mensch mit Ecken und Kanten zu sein.

“Meine Psychologin meinte immer: Zu viel Perfektionismus macht unsympathisch. Das unterschreibe ich voll und ganz!”

 

MAMA Revolution: Du stehst nach einer schweren Erschöpfungsphase wieder mitten im Leben. Wie hast Du Du das geschafft? Welche Schritte haben Dich zurück ins Leben geführt?

Maria Peters: Das klingt jetzt fast zu simpel, aber ich habe einfach nur umgedacht. Ich lasse mich nicht mehr knechten und von mir selbst unter Druck setzen. Oft bleibt auch einfach was liegen und wird erst am nächsten Tag erledigt.

Natürlich bin ich aber auch viele Jahre zur Gesprächstherapie gegangen. Auf einmal ist mir der Knopf aufgegangen 🙂

Und so läuft das jetzt eigentlich seit zwei Jahren wieder sehr gut.

 

MAMA Revolution: Was sind Deine wichtigsten Ratschläge für Mütter, die sich am Rande der Erschöpfung befinden?

Maria Peters: Das ist ganz kurz beantwortet! Sofort professionelle Hilfe holen!

Ich dachte anfangs auch, ich schaffe es alleine. Heute ist mir aber bewusst, das war nur vergeudete Zeit. Bei den ersten Anzeichen, ab zum Hausarzt und der soll dann die Überweisung für den psychiatrischen Facharzt schreiben.

Und hier noch eine ganz wichtige Botschaft: Der Gang zum Psychiater oder Psychologen mag am Anfang zwar ein schwerer sein, aber wir sind keineswegs verrückt!

Wir gestehen uns lediglich ein, dass wir einige Jahre nicht gerade ein Schonprogramm mit unserem Körper gefahren sind und dringend etwas ändern sollten. Wir sind auch kein Fall für die Psychiatrie.

 

“Wir müssen einfach wieder lernen mit unserem Körper zurecht zu kommen und die Sicht auf die Dinge in unserem Leben zu ändern. Dabei können echte „Profis“ einfach am besten helfen.”

 

MAMA Revolution: Du arbeitest als Moderatorin, Filmproduzentin, Sprecherin und Mediencoach. Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Dir aus?

Maria Peters: Da ich ja verschiedene Sparten abdecke, sieht mein Tagesablauf zum Glück immer anders aus. Wenn ich eine Moderation habe, verbringe ich viel Vorbereitungszeit am Computer und beim Schminken im Bad :), dann geht’s auf zur Veranstaltung.

Bei einer Filmproduktion, schreibe ich das Drehbuch, bin ich am Drehort mit dabei und führe Regie. Anschließend schneide ich zu Hause in meinem Büro die Filme selbst. Beim Sprechen bin ich im Tonstudio und als Mediencoach direkt bei meinem Kunden.

Ich pflastere mir aber die Tage keineswegs mehr so zu wie früher.

Nehme auch nicht mehr um jeden Preis jeden Job an, sonst hätte ich ja wieder keine Zeit mehr für meine Familie und vor allem für mich.

Ich bestehe darauf, beinahe täglich das Mittagessen für meine Familie zu kochen und wenn es nur irgendwie möglich ist, mich danach eine halbe Stunde auszuruhen. Das gelingt mir auch meistens.

 

“Ich nehme nicht mehr um jeden Preis jeden Job an.”

 

MAMA Revolution: Wie organisierst Du Dich so, dass Du genug Zeit für Dich, Deinen Sohn und Deinen Mann hast?

Maria Peters: Das ist Einteilungssache. Ich streiche mir meine persönliche Zeit im Terminkalender an und lasse viel mehr Luft zwischen den einzelnen Terminen.

Da ich auch viel von zu Hause aus arbeite, bin ich viel für meinen Sohn da. Ich bringe ihn jeden Abend zu Bett und massiere seine Beine mit Lavendelöl. Das liebt er so sehr 🙂 Diese gemeinsame Zeit möchte ich nicht missen.

Mein Mann und ich gehen oft gemeinsam in die Sauna oder fahren auch mal übers Wochenende fort.

Ganz wichtig ist uns auch nicht zu viel Zeit vor dem Fernseher zu verbringen. Wir setzen uns oft Abends nach dem Essen zusammen und plaudern miteinander.

Die Zeit die wir haben auch ordentlich zu nutzen und uns auch auszutauschen ist uns sehr wichtig.

 

“Ich streiche mir meine persönliche Zeit im Terminkalender an.”

 

MAMA Revolution: Du hast Dein Buch im Eigenverlag veröffentlicht. Zu welchen Zeiten hast Du es geschrieben und wie vermarktest Du es?

Maria Peters: Zu dem Zeitpunkt des Schreibens habe ich noch nicht wieder so viel gearbeitet.

Meine Mentorin, die bekannte Autorin Sarah Saxx hat mir sehr viel geholfen und auch die Autorin und Bloggerin Annika Bühnemann hat mich toll unterstützt. Die beiden sind mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, ich hatte manchmal sogar schon ein schlechtes Gewissen, weil ich sie andauernd gelöchert habe. 🙂

Ein Segen in der Eigenvermarktung sind mit Sicherheit auch die Social Medias. Hier kann man sich toll eine Fangemeinde aufbauen und direkt mit den Lesern kommunizieren.

Die Medien in Österreich haben mich ebenso sehr gut unterstützt. Ihnen hat meine Offenheit zu diesen Themen gefallen. Außerdem sind sehr viele Frauen davon betroffen und es werden leider immer mehr.

 

 

MAMA Revolution: Welche Herzensbotschaft möchtest Du den Leserinnen von MAMA Revolution mit auf den Weg geben?

Maria Peters: Ich möchte allen Müttern sagen, dass sie Großartiges leisten und sich dafür lieben und loben dürfen. Nehmt euch für euch selbst Zeit und seid nicht immer nur für alle anderen da. Nur wenn es euch gut geht, geht es auch eurer Familie gut!

 

MAMA Revolution: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für Deinen Weg!

Wer Maria besuchen möchte, kann hier bei ihr klingeln: www.maria-peters.com

 

Was denkst Du über Erschöpfung, über das Bild der perfekten Frau, über den Druck, den wir uns selbst machen? Wie gehst Du damit um? Die anderen Mamas, Maria und ich freuen uns sehr, wenn Du Deine Erfahrungen mit uns teilst. Bis gleich in den Kommentaren. 🙂